Nach fast 65 Jahren steht der linke Treffpunkt in Frankfurt vor dem Aus. Die Verhandlungen über eine Verlängerung des Mietvertrages für das Haus Kleine Hochstraße 5 sind gescheitert. Die Erben der bisherigen Eigentümerin wollen das Haus bzw. das Grundstück in attraktiver Innenstadtlage verkaufen. Damit wären die Tage einer traditionsreichen Einrichtung gezählt, die seit 1962 Vorbild für viele ähnliche Institutionen in Deutschland war.

Der Vorstand des Trägervereins überlegt seit der Mitteilung der Eigentümer Ende 2025, welche Möglichkeiten denkbar wären, um das Aus abzuwenden. Auf der Pressekonferenz am 22. Januar 2026 werden dazu erste Überlegungen genannt. Sicher ist: der Club braucht für das Überleben Geld. Schon jetzt haben wir in ersten informellen Gesprächen erfahren dürfen, dass die Unterstützung für uns groß ist. Wir hoffen, dass das auch für die politischen Entscheidungsgremien der Stadt gilt.

Die ehrenamtlichen Betreiber:innen und Nutzer:innen des Club Voltaire wollen sich mit einem Ende des Clubs in der Kleinen Hochstraße nicht abfinden und planen daher die Gründung einer Initiative „Rettet den Club“. Der langjährige Vorsitzende und Frankfurter Politiker Lothar Reininger erklärte sich bereit, die Leitung dafür in die Hand zu nehmen. „Der Club Voltaire darf nicht sterben, er ist vielen Frankfurtern und Linken eine Herzensangelegenheit. Die Mitglieder der Initiative haben bereits einige Projekte erfolgreich absolviert und werden versuchen, den Club Voltaire zu erhalten“, sagt Reininger. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am kommenden Samstag, 24. Januar 2026, wird das weitere Vorgehen beraten.

Der Club Voltaire war und ist Ausgangspunkt für viele sich neu zusammenfindende gesellschaftspolitische Gruppen, die sich hier treffen und austauschen. So begannen einst die Grünen und später die Partei “VOLT” ihre Treffen im Club, die Klimaschutz-Initiative “KOALA-Kollektiv” startete hier mit ihrer Veranstaltungsreihe, ebenso die „Städtefreundschaft Frankfurt-Kobane e.V.“ oder die Baugenossenschaft „Fundament Bauen WohnenLeben eG“.

In den Gruppenräumen und in der Kneipe bietet der Club regelmäßig politische Veranstaltungen und ein attraktives Musikprogramm. Neben dem renommierten, monatlichen „Improvisationsabend“ gibt es Konzerte und Discos unterschiedlicher Musikrichtungen, sowohl mit Nachwuchskünstler:innen als auch mit Szenegrößen, ob aus Jazz, Latin oder Reggae, desgleichen Literaturlesungen und Kleinkunst. Hier starteten Künstler wie das Frankfurter Duo „The Ohohohs“ ihre Karriere. Nicht zuletzt lockt das „Wirtshaussingen“ regelmäßig ein breites Publikum an. 

Die Eintrittspreise sind niedrig, teilweise frei. Künstler:innen finden an den Wänden der Kneipe die Möglichkeit, unkompliziert ihre Werke zu zeigen. Mit wichtigen Kulturträgern der Stadt (z. B. Jazz-Initiative Frankfurt, Titanic-Redaktion, KunstGesellschaft) besteht eine langjährige Zusammenarbeit. 

Die Kneipe des Clubs ist mit ihren moderaten Preisen und ihrer sehr speziellen Atmosphäre eine willkommene Alternative zu den „gehobenen“ Lokalitäten rund um die Fressgass’.

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Deshalb besteht das Besondere des Clubs Voltaire in der Kombination all dessen: unverfälschte Tradition, politische Information und Diskussion, Kultur, Freizeit, Gastronomie – und das alles in entspannter und weltoffener Atmosphäre mit historischer „Patina“. 
Für die Stadt Frankfurt wäre die Schließung des Clubs Voltaire nicht nur der Verlust eines weiteren historischen Orts, sie würde eine Verarmung des städtischen Lebens mit sich bringen.

 

Zur Geschichte des Club Voltaire

Der nach dem französischen Aufklärer benannte Club Voltaire hat Geschichte geschrieben. Er setzte
sich schon in den 60er Jahren, lange vor der Ostpolitik Willy Brandts, für politische und kulturelle
Annäherung an die DDR ein, holte Autor:innen und Schaupieler:innen von dort nach Frankfurt. Der Club
bezog Position gegen den Vietnamkrieg, unterstützte US -Soldaten, die desertieren wollten oder gab
der Diaspora aus damaligen Diktaturen wie Griechenland, Algerien, Chile oder Iran eine Basis. Er spielte
auch bei der Revolte des Jahres 1968 eine wichtige Rolle.
In zahlreichen politischen und gesellschaftlichen Konflikten hat sich der Club seither eingebracht und
ein Forum zur – oft kontroversen – Diskussion geboten, von der Frauenbewegung über den Kampf
gegen die Startbahn West, die Hartz IV -„Reformen“ oder die Atomkraft. Heute stehen Streitfragen um
Krieg und Frieden, Migration, Antisemitismus, Sozialabbau, der Kampf gegen rechts, die Klimafrage und
internationale Solidarität im Mittelpunkt. Auch die Frankfurter Kommunalpolitik spielte und spielt eine
zentrale Rolle im Programm des Clubs – wie z. B. im Dezember 2025 eine Podiumsrunde mit
Parteienvertretern zur Wohnungspolitik.

 

Wie funktioniert der Club?

Der Club Voltaire wird von einem gemeinnützigen Verein („Club Voltaire e. V.“) getragen. Dieser hat
einen Vorstand, der sich einmal im Monat trifft. Für Entscheidungen in operativen und eiligen Dingen
gibt es einen dreiköpfigen geschäftsführenden Vorstand. Der kümmert sich auch um die Finanzen und
die Rechnungslegung. Zweimal im Jahr findet eine Mitgliederversammlung statt, auf der u. a. alljährlich
der Vorstand gewählt wird.
Für die Vorbereitung und praktische Umsetzung der Veranstaltungen ist die Programmgruppe
zuständig. Sie trifft sich monatlich und legt fest, was wann und wie stattfinden soll.
Für die Musikveranstaltungen (Konzerte, Improvisationsabende, Discos, Wirtshaussingen u. a.) gibt es
eigene Organisationsteams.
Die Verwaltungsarbeit wird im Büro des Clubs erledigt und erfolgt im Rahmen von
Anstellungsverhältnissen. Alle anderen Tätigkeiten (Vorstand, Programmgruppe, Musik) werden
ehrenamtlich geleistet.
Der Club Voltaire finanziert sich aus Zuschüssen der Stadt Frankfurt (Kultur – und Jugendamt), Spenden,
Mieteinnahmen und Eintrittsgeldern.
Die Kneipe wird vom Verein betrieben. Sie ist aber ein wirtschaftlich eigenständiger Betrieb, das
operative Geschäft liegt in den Händen des Teams.